Das Team des Notpflegeangebots in der Bahnhofsmission Hamburg.

Modellprojekt zieht Bilanz

Das Notpflegeangebot in der Bahnhofsmission Hamburg hat sich als wirksame und dringend benötigte Ergänzung im Hamburger Hilfesystem etabliert. Nach drei Jahren Pilotphase ziehen die Hoffnungsorte Hamburg und ihre Kooperationspartner, die Malteser und Johanniter, eine positive Zwischenbilanz. Nun gilt es, die Zukunft dieses bundesweit einmaligen Modells finanziell zu sichern.

Erfolgreiche Pilotphase bestätigt Konzept

Seit seinem Start im April 2023 verzeichnete das Team des Notpflegeangebots 5068 Kontakte zu 1068 Patient:innen. Die hohen Nutzungszahlen sowie eine begleitende wissenschaftliche Evaluation konnten belegen, dass das Angebot die Zielgruppe erreicht und die Lebenssituation obdachloser Menschen rund um den Hamburger Hauptbahnhof spürbar verbessert.
„Das Notpflegeangebot schließt eine zentrale Versorgungslücke. Für Menschen, die im Regelsystem keinen Zugang haben, ist es die einzige Möglichkeit, überhaupt pflegerische Hilfe zu bekommen: ohne Termine, ohne Krankenkassenkarte und direkt am Hauptbahnhof“, sagt Dr. Ramona Buchholz, Vorsitzende des Fördervereins „Pflegemission am Hamburger Hauptbahnhof e. V.“ und Diözesan- und Bezirksgeschäftsführerin der Malteser Hamburg. Zudem wirke das Angebot nicht nur individuell, sondern auch systemisch: „Durch die frühzeitige Versorgung gesundheitlicher Probleme können schwerwiegendere Verläufe verhindert und auch andere Teile des Hilfesystems entlastet werden.“

Neben der unmittelbaren medizinischen Versorgung spielt auch die Wiederherstellung von Würde
und Selbstwertgefühl eine zentrale Rolle. „Schon grundlegende Maßnahmen wie Wundversorgung, Körperpflege oder saubere Kleidung tragen entscheidend dazu bei, dass Betroffene auch weitere Hilfen annehmen und Perspektiven entwickeln, um ihre Lebenssituation zu verbessern“, ergänzt Kathrin Macke, Pflegefachkraft und Leiterin des Notpflegeangebots.

Ausblick: Finanzierung ab 2027 nicht gesichert

Mit dem Auslaufen der Pilotphase, die maßgeblich von der Deutschen Fernsehlotterie und dem eigens gegründeten Förderverein ermöglicht wurde, stellt sich nun die Frage nach einer langfristigen Finanzierung. Dank einer kurzfristigen Zuwendung des Hamburger Spendenparlaments sowie des Engagements weiterer Stiftungen und Spender:innen ist es möglich, den Betrieb noch bis Ende des Jahres aufrecht zu erhalten. Parallel laufen intensive Gespräche mit der Stadt Hamburg und der Sozialbehörde über eine Verstetigung des Angebots. Der „Pflegemission am Hamburger Hauptbahnhof e.V.“, zu dem auch die Hoffnungsorte Hamburg gehören, ist optimistisch, dass eine Regelfinanzierung durch die Stadt Hamburg ab 2027 realisiert werden kann.